Union Gunskirchen – Pettenbach/Grünau 2:4 (2:2)
Tore: Elias Steininger (2.), David Klausriegler (4.), Thomas Helmberger (87.), Antonio Dukic (89.); Karim Keik (26.), Albin Ramadani (37.)
Punktgleich mit Lokalrivale Bad Wimsbach ging die SPG Pettenbach/Grünau am Freitagabend in die 11. Runde der Landesliga West. Lediglich die um einen Treffer bessere Tordifferenz hielt die Grün-Weißen vor dem Spieltag noch an der Spitze. Nicht zuletzt ist deren beeindruckende Bilanz von erst vier Gegentreffern auch der starken Saison von Schlussmann Raffael Seyr geschuldet. Soviel sei an dieser Stelle bereits verraten: Seine Serie ohne Gegentreffer sollte an diesem Wochenende auf mittlerweile 374 Minuten anwachsen – und ausgerechnet am kommenden Donnerstag muss er diese in der ROBEX Arena gegen die aktuell stärkste Offensive der Liga verteidigen.
Bevor es allerdings zum direkten Duell der beiden Almtaler Spitzenteams kommen konnte, wartete mit Union Gunskirchen eine alles andere als gemütliche Aufgabe.
Die Hausherren stehen aktuell zwar im Tabellenmittelfeld, reisten gedanklich aber mit ordentlich Rückenwind in die eigene Arena: Eine Woche zuvor hatten sie dem bis dahin ungeschlagenen UFC Eferding auswärts die erste Saisonniederlage zugefügt. Pettenbach musste personell erneut umbauen. Alexander Meister stand nicht zur Verfügung; Emmanuel Stinglmayr kuriert weiterhin seine Rippenverletzung aus – Gute Besserung an dieser Stelle!
Dass die Änderungen den Almtalern in irgendeiner Form die Sicherheit rauben würden, war in den ersten Minuten allerdings nicht einmal ansatzweise zu erkennen.
Nach gerade einmal rund 90 Sekunden leitete Pettenbach einen Turbostart ein, der kaum schöner hätte ausgespielt werden können. Tobias Zeitlinger eröffnete von hinten, über Thomas Helmberger, Michael Klinglmair und Antonio Dukic lief das Leder innerhalb weniger Augenblicke sauber durch die eigenen Reihen. David Klausriegler übernahm an der Strafraumkante und brachte einen scharfen Querpass in die Mitte, wo Elias Steininger mit dem perfekten Laufweg einstartete und aus kurzer Distanz zum 0:1 einschob.
Ein Spielzug wie aus dem Lehrbuch – und offenbar einer, den man an diesem Abend gerne gleich noch einmal sehen wollte.
Nur zwei Minuten später lief der Angriff beinahe spiegelverkehrt über die andere Seite. Wieder wurde der Ball tief aus der eigenen Hälfte schnell nach vorne getragen. Andreas Helmberger öffnete mit einer Finte den Raum für Antonio Dukic, der sich im Zweikampf behauptete und den gestarteten Elias Steininger bediente. Eli legte direkt quer in den Strafraum, wo sich diesmal Klausriegler unbemerkt eingeschlichen hatte.
Der Vorbereiter vom 0:1 wurde zum Torschützen, der Torschütze zum Vorbereiter – Klausi bedankte sich und brauchte nur noch einzuschieben.
0:2 nach gerade einmal vier Minuten
Das war eine Ansage.
Was bei anderen Gegnern in dieser Saison schon früh den Weg zu einer deutlichen Niederlage geebnet hatte, schien Gunskirchen allerdings überhaupt nicht zu beeindrucken. Die Hausherren schüttelten sich kurz und fanden danach erstaunlich schnell zurück in die Begegnung.
Pettenbach hingegen wirkte phasenweise beinahe selbst irritiert davon, mit welcher Selbstverständlichkeit die ersten Minuten funktioniert hatten. Der Spielfluss ging zunehmend verloren, Gunskirchen störte das Aufbauspiel konsequent und zwang die Gäste immer häufiger zu Fehlern. Die starke Pettenbacher Offensive bekam kaum noch verwertbare Bälle serviert und musste zusehen, wie sich das Geschehen Stück für Stück in Richtung des eigenen Tores verlagerte.
Große Möglichkeiten blieben zunächst zwar Mangelware, doch das Gefühl auf den Rängen war eindeutig: Der Anschlusstreffer lag zunehmend in der Luft.
Wahlmüller versuchte seine Elf von der Seitenlinie wieder wachzurütteln, doch für knapp 20 Minuten fand Pettenbach kaum einen Weg zurück in den Rhythmus der Anfangsphase.
In der 26. Minute war es schließlich so weit. Thomas Helmberger und Pascal Waldl behinderten sich bei einer eigentlich lösbaren Situation unglücklich gegenseitig, der Ball landete vor den Füßen von Karim Keik und der Gunskirchener nahm die Einladung dankend an. Von der Strafraumkante zog er flach ins linke Eck ab. Tobias Zeitlinger bekam zwar noch die Fingerspitzen an das Leder, konnte dessen Weg ins Tor aber nicht mehr entscheidend verändern.
1:2 – das Spiel war wieder offen.
Immerhin ließ die Antwort der Almtaler nicht lange auf sich warten. Nach einer langen Durststrecke ohne nennenswerten Abschluss tauchte Elias Steininger nur Augenblicke später gefährlich auf der linken Seite auf und hämmerte das Leder aus spitzem Winkel Richtung Gehäuse. Gunskirchens Schlussmann Huso Cajtinovic bekam gerade noch den Fuß dazwischen und verhinderte die erneute Zwei-Tore-Führung.
Mittlerweile hatte sich genau jene Partie entwickelt, die man sich von einem Flutlichtspiel zweier formstarker Mannschaften erwarten durfte. Die Zweikämpfe wurden intensiver, das Tempo blieb hoch und Gunskirchen drängte weiter auf den Ausgleich.
In der 36. Minute brannte es schließlich unmittelbar vor dem Pettenbacher Strafraum. Fabian Altmanninger konnte Albin Ramadani gerade noch vor dem Sechzehner stoppen, riskierte damit allerdings einen Freistoß aus ausgesprochen aussichtsreicher Position.
Ramadani legte sich das Leder selbst zurecht – und lieferte einen Abschluss, bei dem auch aus Pettenbacher Sicht nur Anerkennung blieb.
Aus rund 20 Metern zirkelte er den Ball mit Wucht ins linke Kreuzeck. Tobi Zeitlinger hatte die richtige Ecke gerochen und machte sich lang, doch gegen diesen Hammer unter die Querlatte war nichts zu machen.

2:2.
Ein wunderschöner Freistoß und, gemessen an der Entwicklung der ersten Hälfte, ein verdienter Ausgleich.
Gunskirchen spürte nun, dass die Almtaler ordentlich in den Seilen hingen, und hielt den Druck hoch. Pettenbach schaffte kaum Entlastung, wollte vor dem Pausenpfiff aber zumindest noch einmal zeigen, dass man keineswegs vollständig den Faden verloren hatte. David Klausriegler tanzte sich sehenswert durch die gegnerischen Reihen und ließ seinen Abschluss nur knapp am rechten Kreuzeck vorbeizischen.
Halbzeitpause
Aus einem furiosen 0:2 nach vier Minuten war innerhalb einer guten halben Stunde wieder ein völlig offenes Fußballspiel geworden. Jetzt lag es an Wilhelm Wahlmüller, seiner Mannschaft wieder jene Sicherheit mitzugeben, mit der sie in die Partie gestartet war.

Was auch immer in der Kabine besprochen wurde: Pettenbach kam wacher, williger und vor allem bissiger in den Zweikämpfen zurück auf den Platz.
Zunächst durfte allerdings noch einmal Tobias Zeitlinger glänzen. Ein direkter Freistoß von Argjend Hyseni drehte sich im letzten Moment gefährlich über die Mauer Richtung Tor, doch Tobi reagierte hervorragend und fischte den Ball mit einer starken Parade aus der Gefahrenzone.
Nur rund 60 Sekunden später wurde es am anderen Ende brenzlig. Nach einem abgefälschten Einwurf fiel Kilian Kreiseder der Ball zentral vor dem Tor vor die Füße. Kili zog sofort ab, Cajtinovic tauchte ab und verhinderte mit einer starken Reaktion die neuerliche Führung.
Es entwickelte sich ein wilder Schlagabtausch, diesmal allerdings mit deutlich mehr Pettenbacher Beteiligung als noch gegen Ende des ersten Durchgangs.
Klausriegler kam wenig später aus rund zehn Metern zum Kopfball und setzte die Kugel knapp neben den Kasten. Auf der Gegenseite tankte sich Paul Schörgenhuber durch und tauchte plötzlich frei vor Zeitlinger auf – doch der Pettenbacher Kapitän blieb groß und entschied das Eins-gegen-eins für sich.
Die Partie blieb auf Messers Schneide
Mit zunehmender Spielzeit begann sich das Kräfteverhältnis allerdings wieder zu verschieben. Gunskirchen hatte enorm viel investiert, um nach dem frühen 0:2 zurückzukommen, und eben diese hohe Intensität der ersten 70 Minuten schien den Hausherren allmählich zum Verhängnis zu werden.

Eine kurze Druckphase der Gastgeber mit mehreren Eckbällen überstand die Pettenbacher Defensive konsequent. Danach öffneten sich wieder mehr Räume – besonders auf der linken Seite.
Andreas Helmberger und Elias Steininger hielten dort das Tempo hoch und zwangen die Gunskirchener Defensive immer häufiger zum Rückwärtsgang. Eli schien ohnehin noch ausreichend Benzin für einen zweiten Freitagabend in den Beinen zu haben und setzte in der 75. Minute die deutlichste Warnung der zweiten Hälfte.
Aus gut 20 Metern zog er ab und jagte das Leder Richtung Tor. Cajtinovic war geschlagen – der Pfosten nicht.
Aluminium.
Gunskirchen versuchte sich danach zunehmend mit langen Bällen etwas Luft zu verschaffen, während Pettenbach das Geschehen immer stärker in Richtung des gegnerischen Strafraums verlagerte. Die ganz große Chance wollte aus dem laufenden Spiel zunächst trotzdem nicht entstehen.
Also musste ein Standard herhalten.
In der 87. Minute brachte Pettenbach einen Eckball gefährlich vor das Gunskirchener Tor. Thomas Helmberger stieg hoch – doch Paul Schörgenhuber konnte den ersten Versuch unmittelbar vor dem Tor noch abwehren. Allerdings genau wieder dorthin, wo Thomi gerade erst im Landeanflug war.
Helmberger reagierte schneller als alle anderen und drosch den zweiten Ball ins kurze Eck.
2:3.
Nach einer Partie, die lange völlig offen gewesen war, lag Pettenbach wieder vorne.
Gunskirchen blieb nun nichts anderes mehr übrig, als alles nach vorne zu werfen. Zwei Minuten später sollte genau das endgültig bestraft werden.
Ein missglückter Einwurf der Hausherren landete in der Pettenbacher Hälfte bei Kilian Kreiseder, der den Ball sofort nach vorne beförderte. Antonio Dukic hatte die Möglichkeit längst gewittert und setzte – lautstark von den mitgereisten Fans angepeitscht – zum Sprint an.
Toni ließ zunächst Andreas Baschinger hinter sich und nahm anschließend Kurs auf Stefan Milojevic. Der Gunskirchener Verteidiger versuchte, den hohen Ball mit einem lässigen Kopfball zum eigenen Schlussmann zurückzulegen.
Ein folgenschwerer Fehler.
Dukic spritzte dazwischen, erreichte das Leder noch vor Cajtinovic, umkurvte den herausgeeilten Torhüter und schob cool ins verwaiste Gehäuse.
2:4.
Damit war Schluss mit Zittern.
Unter dem Strich stand ein Auswärtssieg, der auf völlig andere Weise zustande gekommen war als die deutlichen ersten fünf Minuten vermuten ließen. Pettenbach hatte Gunskirchen zunächst mit zwei hervorragend ausgespielten Angriffen überrumpelt, danach aber über weite Strecken der ersten Hälfte den Zugriff verloren und einen verdienten Ausgleich hinnehmen müssen.
Entscheidend war deshalb weniger der Blitzstart als die Reaktion auf den weiteren Spielverlauf.
Die Mannschaft fing sich nach der Pause, nahm die Zweikämpfe wieder konsequenter an und zwang Gunskirchen mit zunehmender Spieldauer selbst immer weiter in die Defensive. Als bei den Hausherren die Kräfte schwanden, war Pettenbach noch einmal in der Lage zuzulegen – genau jener längere Atem, den Wilhelm Wahlmüller gegenüber Ligaportal nach dem Schlusspfiff als Schlüssel zum Erfolg bezeichnete.
Und der Lohn für diesen Freitagabend sollte sogar noch etwas größer ausfallen als drei Punkte.
Bad Wimsbach gewann parallel gegen Eferding mit 1:0. Damit halten beide Lokalrivalen nach elf Runden bei 27 Punkten und derselben Tordifferenz – dank der mehr erzielten Treffer übernimmt die SPG Pettenbach/Grünau damit vorläufig das Zepter der Tabellenführung.

Viel Zeit, sich darüber zu freuen, bleibt allerdings nicht.
Denn bereits am kommenden Donnerstag wartet in der ROBEX Arena genau jener Gegner, mit dem man sich seit Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert – um die Frage nach dem größeren Titelfavoriten in der LLW endgültig und im direkten Duell zu beantworten.
Auf der einen Seite Pettenbachs derzeit brandgefährliche Offensive.
Auf der anderen Raffael Seyr, seit mittlerweile 374 Minuten ohne Gegentreffer.
Dramatischer hätte man dieses Derby wohl kaum bestellen können.


