Zusammen. Halt. Vereint.

Pettenbach/Grünau – SK Bad Wimsbach 0:2 (0:2)

Tore: Erol Zümrüt (8./Elfmeter, 35.)

Es war angerichtet für eines jener Spiele, auf die man im Almtal nicht erst seit dieser Woche gewartet hatte. Punktgleich an der Spitze der Landesliga West, die beiden besten Mannschaften der bisherigen Saison im direkten Duell und rund 700 Zuschauer in der ROBEX Arena – mehr Derby ging an diesem Donnerstagabend kaum.

Auf der einen Seite die aktuell stärkste Offensive der Liga, auf der anderen ein Bad Wimsbacher Defensivverbund, der sich in den vergangenen Wochen beinahe unüberwindbar präsentiert hatte. Mittendrin Raffael Seyr, der seit mittlerweile 374 Minuten keinen Ball mehr aus dem eigenen Netz holen musste.

Pettenbach hatte sich vorgenommen, genau diese Serie möglichst früh auf die Probe zu stellen.

Und tatsächlich dauerte es kaum 20 Sekunden, bis die Hausherren erstmals gefährlich vor dem Wimsbacher Gehäuse auftauchten. Der Einstieg passte zum Rahmen: kein langes Abtasten, kein vorsichtiges Herantasten an den ehemaligen Tabellenführer. Die Almtaler wollten von Beginn an zeigen, dass sie an diesem Abend nicht vorhatten, sich vor der beeindruckenden Defensive des Lokalrivalen zu verstecken.

Auch in der dritten Minute ging es zielstrebig nach vorne. Nach einer aussichtsreichen Freistoßsituation löste sich Elias Steininger auf den linken Flügel, Kilian Kreiseder fand ihn schließlich mit dem Zuspiel. Oliver Koplarovics hatte allerdings aufgepasst und zwang Eli zu einer überhasteten Hereingabe, die im Toraus landete.

Der furiose Pettenbacher Beginn fand nur wenige Minuten später seinen vorläufigen Höhepunkt.

David Klausriegler kämpfte sich in der sechsten Minute gleich gegen mehrere Wimsbacher durch, ging zu Boden, stand wieder auf und setzte sofort weiter nach. Der Druck zeigte Wirkung: Stefan Weiss spielte einen viel zu lässigen Rückpass in Richtung Raffael Seyr.

Antonio Dukic demonstrierte einmal mehr die telepathische Verbindung zu Klausi und war bereits angestartet, während Seyr den Blick noch ausschließlich auf das Spielgerät gerichtet hatte, spritzte im richtigen Moment dazwischen und nahm dem Schlussmann den Ball praktisch vom Fuß. Der Wimsbacher Keeper blieb für einen Augenblick völlig perplex stehen – Dukic musste aus extrem spitzem Winkel nur noch genügend Druck hinter den Abschluss bekommen.

Genau daran scheiterte es leider – der Ball rollte wenige Zentimeter vor dem kurzen Pfosten ins Toraus.

Es war jene Szene, die rückblickend vielleicht am besten zusammenfasste, was Pettenbach an diesem Abend noch öfter fehlen sollte: nicht viel – aber eben genau das entscheidende Stück.

Nur rund eine Minute später wurde die Partie auf den Kopf gestellt.

Bis dahin hatte Pettenbach den Ton angegeben, doch Bad Wimsbach benötigte nur einen gelungenen Angriff, um das Derby in eine völlig andere Richtung zu lenken. Florian Schöfbenker und Jakob Stockinger kombinierten sich auf der linken Seite sehenswert durch. Stockinger zog entlang der Seitenlinie an Pascal Waldl, Alexander Meister und Quentin Kreiseder vorbei und marschierte schließlich Richtung Grundlinie.

Thomas Helmberger versuchte den Raum zu schließen. Stockinger suchte den Weg am Verteidiger vorbei, es kam zum Kontakt am Fuß – und der Wimsbacher ging theatralisch zu Boden.

Der anschließende Bauchplatscher fiel deutlich spektakulärer aus als die Berührung selbst, doch Schiedsrichter Enes Fatih Kizil zeigte ohne Zögern auf den Punkt.

Erol Zümrüt trat an und verwandelte sicher.

0:1.

Völlig gegen den bisherigen Verlauf lag Pettenbach plötzlich hinten.

Zusätzlich bitter: Alexander Meister musste bereits kurz darauf erkennen, dass es körperlich nicht weiterging. Für den angeschlagenen Routinier kam Michael Klinglmayr ins Spiel.

Doch der Treffer zeigte Wirkung – Pettenbach wollte möglichst schnell antworten und rückte dafür sehr weit auf. In der zehnten Minute hätte diese Entschlossenheit beinahe direkt den nächsten Gegentreffer eingebracht. Schöfbenker schlug einen langen Ball nach vorne, wo Maximilian Hochreiter plötzlich nur noch Fabian Altmanninger und Thomas Helmberger zwischen sich und dem Tor hatte.

Die beiden Verteidiger kamen sich in der Rückwärtsbewegung beinahe gegenseitig in die Quere, Hochreiter schaffte tatsächlich den Abschluss – verfehlte das linke Eck aber um rund einen halben Meter.

Bad Wimsbach hatte nun endgültig Zugriff auf die Partie.

Die Gäste pressten konsequent, liefen Pettenbach früh an und zwangen die Hausherren immer wieder zu schnellen Entscheidungen. Genau jene Ruhe, mit der die Wahlmüller-Elf in den vergangenen Wochen häufig ihre gefährlichen Angriffe vorbereitet hatte, wollte sich an diesem Abend kaum einstellen.

Trotzdem blieb Pettenbach gefährlich, sobald sich Raum auftat – wie ein angepiekster Stier versuchten motivierte Zehn Wimsbach niederzurennen.

So auch in der 13. Minute – Elias Steininger trieb den Ball fast 30 Meter mit hohem Tempo nach vorne und wollte den bereits gestarteten Antonio Dukic bedienen. Die Fahne ging hoch – eine Entscheidung im Mikrometerbereich. Ohne den Abseitspfiff wäre Toni praktisch allein vor Seyr gestanden.

Danach beruhigte sich die Begegnung zumindest vor den beiden Toren etwas.

Beide Mannschaften belauerten sich, die Zweikämpfe wurden intensiv geführt und Bad Wimsbach zeigte dabei eine beeindruckende Mischung aus Härte und Fairness. Pettenbach hielt körperlich dagegen, wirkte durch den Rückstand aber einen Tick weniger selbstverständlich als noch in der Anfangsphase.

In der 27. Minute wurde es schließlich wieder richtig unangenehm vor Tobias Zeitlinger.

Bad Wimsbach setzte sich am Pettenbacher Strafraum fest und feuerte innerhalb weniger Augenblicke alles Richtung Tor, was irgendwie Richtung Abschluss gebracht werden konnte. Phasenweise standen zehn Pettenbacher im eigenen Sechzehner und warfen sich leidenschaftlich dazwischen. Vier Versuche wurden nacheinander geblockt, ehe es den Hausherren tatsächlich gelang, sich aus der Umklammerung zu lösen.

Der folgende Umschaltmoment verpuffte allerdings schnell. Nicht ohne Grund hatte die Wimsbacher Defensive vor diesem Derby beinahe alles wegverteidigt, was ihr in den vergangenen Wochen entgegengekommen war.

Pettenbach versuchte nun wieder, mehr Kontrolle über den Ball zu bekommen. Rund um die 31. Minute verlagerte sich das Geschehen zunehmend in die Hälfte der Gäste, doch eine Steininger-Flanke blieb an der Defensive hängen.

Drei Minuten später schrammten die Hausherren haarscharf am nächsten Gegentreffer vorbei.

Erol Zümrüt steckte den Ball wunderbar am Pettenbacher Abwehrriegel vorbei auf Oliver Koplarovics durch. Fabian Altmanninger konnte den Angreifer noch etwas nach außen treiben, doch der zog trotzdem ab. Zeitlinger stand sicher und beförderte den wuchtigen Versuch mit beiden Fäusten ins Seitenaus.

Aufgeschoben war an diesem Abend allerdings nicht aufgehoben.

Der daraus resultierende Eckball wurde zunächst noch von Altmanninger Fabi im Strafraum Richtung Strafraumgrenze geköpft. Dort wartete ausgerechnet Erol Zümrüt.

Der Wimsbacher ließ den Ball einmal lässig auftupfen und drosch ihn anschließend volley durch Freund und Feind hindurch in die Maschen.

0:2.

Ein Treffer, der Wimsbach endgültig die Kontrolle über das Derby gab.

Pettenbach stemmte sich gegen den Zwei-Tore-Rückstand und belagerte in den folgenden Minuten den gegnerischen Strafraum beinahe wie eine Burg im Mittelalter. Es fehlte aber immer wieder genau jener Spalt in der Mauer, durch den man hätte eindringen können.

Bad Wimsbach verteidigte leidenschaftlich, aufmerksam und mit bemerkenswerter Ruhe. Sobald der Ball gewonnen war, ließ ihn die Mannschaft wieder durch die eigenen Reihen laufen und nahm damit immer wieder Tempo aus den Pettenbacher Angriffsbemühungen.

Eine letzte Gelegenheit vor der Pause ergab sich in der 44. Minute. Nach einem abgefälschten Ball landete das Leder bei Antonio Dukic im Strafraum. Toni hätte zum Abschluss kommen können, bekam beim Antritt allerdings noch einen Bodycheck von Zümrüt mit auf den Weg. Für Schiedsrichter Kizil war das zu wenig für den nächsten Elfmeterpfiff des Abends.

So ging Pettenbach mit einem 0:2 in die Kabine.

Nach Wiederbeginn änderte sich wenig am grundsätzlichen Bild. Die Hausherren blieben kämpferisch, versuchten höher zu schieben und suchten weiter nach jenem einen Treffer, der die ROBEX Arena und damit vielleicht auch das Derby noch einmal hätte entzünden können.

In der 53. Minute fehlten dafür nur Zentimeter.

Pascal Waldl schlug einen Freistoß vom Mittelkreis weit in Richtung Fünfmeterraum. Dort lauerte Fabian Altmanninger, der bei ruhenden Bällen schon häufiger für Gefahr gesorgt hatte. Der Innenverteidiger streckte sich nach dem scharf hereingebrachten Ball, verpasste ihn aber wirklich nur um Haaresbreite.

Seyr wäre wohl kaum mehr herangekommen. Fortuna trug an diesem Abend allerdings eindeutig Grün-Weiß.

In der Folge neutralisierten sich beide Mannschaften über weite Strecken. Viel spielte sich im Mittelfeld ab, keiner wollte dem anderen auch nur einen Meter schenken. Pettenbach hatte zwar nun häufiger den Ball, fand gegen den hellwachen Wimsbacher Abwehrriegel aber kaum einen Weg in wirklich gefährliche Räume.

Genau darin lag vielleicht der größte Unterschied zum bisherigen Saisonverlauf.

Die Pettenbacher Offensive lebt von Tempo, Wucht und dem Mut, gegnerische Linien im Sprint zu attackieren. Bad Wimsbach ließ sich davon an diesem Abend erstaunlich selten beeindrucken. Die Gäste verschoben geschlossen, waren auf die zweiten Bälle vorbereitet und bestimmten geschickt, wann die Partie schnell und wann sie langsam wurde.

Die rohe Pettenbacher Geschwindigkeit lief deshalb häufiger ins Leere, als man es in den vergangenen Wochen gewohnt war.

Erst in der 77. Minute meldete sich auch das Spiel vor den Toren wieder deutlicher zurück. Erol Zümrüt brachte einen Freistoß gefährlich in den Strafraum, Maximilian Hochreiter machte sich aus vollem Lauf lang und verpasste das Leder mit dem Kopf nur knapp.

In den letzten zehn Minuten überließ Bad Wimsbach den Hausherren zunehmend den Ball. Pettenbach versuchte noch einmal alles, doch der entscheidende Einfall blieb aus. Die Gäste verteidigten ihren Vorsprung mit bemerkenswerter Konsequenz und warteten geduldig auf die wenigen Möglichkeiten, die sich auf der anderen Seite noch ergeben sollten.

In der 86. Minute holte Jakob Stockinger noch einmal einen aussichtsreichen Freistoß heraus. Der anschließende Versuch flog allerdings deutlich über das Gehäuse von Tobias Zeitlinger.

Der eigentliche Schlusspunkt gehörte noch einmal Pettenbach.

Tief in der Nachspielzeit erspielten sich die Hausherren eine ganze Serie von Eckbällen. Die Hereingaben kamen scharf und sorgten für Betrieb im Strafraum, doch selbst jetzt gelang es nicht mehr, Raffael Seyr ernsthaft zum Eingreifen zu zwingen.

Dann war Schluss.

Mit dem 0:2 musste die SPG Pettenbach/Grünau im zwölften Ligaspiel erstmals in dieser Saison als Verlierer vom Platz gehen.

Es wäre einfach, diese Niederlage auf den frühen Elfmeter, ein paar fehlende Zentimeter oder das eine Quäntchen Glück zu reduzieren. Gerecht würde man der Leistung von Bad Wimsbach damit allerdings nicht werden.

Die Gäste waren über die gesamte Partie gesehen die abgeklärtere Mannschaft. Vor allem nach dem frühen Führungstreffer gelang es ihnen immer wieder, das Tempo nach den eigenen Vorstellungen zu bestimmen. Sie pressten dann, wenn es wehtat, zogen sich zurück, wenn Pettenbach Fahrt aufnehmen wollte, und verteidigten das Zentrum mit einer Konsequenz, an der sich die bisher so gefährliche Almtaler Offensive an diesem Abend die Zähne ausbiss.

Pettenbach fehlte nicht der Einsatz. Die Mannschaft kämpfte, lief an und suchte bis tief in die Nachspielzeit nach einer Lücke. Was fehlte, war die zündende Idee für den letzten Schritt – jener eine Pass, jene eine Bewegung, die aus viel Aufwand eine wirklich zwingende Torchance gemacht hätte.

Dass ein Derby mit dieser Bedeutung trotzdem ausgesprochen fair blieb, verdient ebenfalls Erwähnung. Beide Mannschaften gingen körperlich zur Sache, überschritten dabei aber nur selten die Grenze. Auch Schiedsrichter Enes Fatih Kizil trug mit einem guten Gespür für die Begegnung und überwiegend passenden Entscheidungen seinen Teil dazu bei.

Und vielleicht liegt genau darin auch die richtige Einordnung dieses Abends.

Bad Wimsbach war taktisch abgeklärter, in manchen Situationen einfach smarter und hat sich den Sieg damit verdient. Das gilt es anzuerkennen.

Für Pettenbach ändert eine erste Niederlage allerdings wenig daran, was diese Mannschaft in den vergangenen Monaten gezeigt hat. In ihr steckt eine enorme Geschwindigkeit, viel physische Wucht und eine Offensive, die schon genügend Gegner vor kaum lösbare Probleme gestellt hat. Mit Trainer Wilhelm Wahlmüller hat die Union genau den richtigen Mann, um genau dieses Potenzial noch gezielter einzusetzen und aus der manchmal rohen Energie eine Mannschaft zu formen, die auch gegen einen derart gut organisierten Gegner immer wieder die passende Lösung findet, taktischer agiert und daraus ein entsprechend dominantes Auftreten entwickelt.

Nach zwölf Runden steht Pettenbach mit acht Siegen, drei Unentschieden und einer Niederlage weiterhin auf Rang zwei.

Heute gilt es, den Derbysieg des Nachbarn demütig anzuerkennen… und ab dem nächsten Spiel wieder dafür zu sorgen, dass Bad Wimsbach weiß: Die Tabellenspitze gibt es auch weiterhin nicht kampflos.

Fotos: Toni Fekete und Stephan Knebel

Weitere Beiträge