Tore: David Klausriegler (71., 96.); Strahinja Macanovic (16.), Eldin Sehic (85.)
Die Temperaturen im Almtal mögen Ende September langsam nach unten gehen – in der ROBEX Arena sollte es an diesem Dienstagabend allerdings noch einmal ordentlich hitzig werden. Im Nachtragsspiel der 4. Runde trennten sich die SPG Pettenbach/Grünau und Union Peuerbach nach einer turbulenten Partie mit 2:2. Unsere Mannschaft lief zweimal einem Rückstand hinterher, drängte Peuerbach über weite Strecken tief in die eigene Hälfte und belohnte sich schließlich mit praktisch der letzten Aktion des Abends doch noch für ihren Aufwand.
Personell musste Trainer Wilhelm Wahlmüller im Vergleich zum 3:2 gegen Schalchen etwas umbauen. Thomas Helmberger bekam aufgrund seiner Blessur vorsichtshalber eine Pause, Michael Klinglmayr rückte dafür von Beginn an in die Mannschaft.
Und die bekam zunächst einmal ordentlich zu tun.
Peuerbach kam aggressiv und äußerst präsent in die Begegnung und machte unserer Mannschaft vor allem in der Anfangsviertelstunde das Leben schwer. Das erste Opfer der Partie fand sich in Form eines roten Leiberls mit der Nr. 19 in Spielminute 7, als sich Daniel Scheuringer ein echtes Stück Elias sichern wollte. Das Trikot zerrissen, das Tischtuch zerschnitten, das Pfeiferl blieb stumm – die Stimmung gesetzt. Die ROBEX Arena begann allmählich zu köcheln.
Nur zwei Minuten später lief den Almtaler Fans ein kalter Schauer über den Rücken, als Gabriel Badegruber Tobias Zeitlinger das erste Mal an diesem Abend hinter sich greifen ließ. Nur die Fahne des Assistenten bewahrte vor dem Albtraumstart beim heutigen Nachholspiel – und die Warnung war deutlich: Peuerbach war nicht nur bissig, sondern auch brandgefährlich.
Immerhin hatte David Klausriegler nach knapp zehn Minuten die erste gute Pettenbacher Möglichkeit, sein Abschluss fiel allerdings zu zentral aus. Wenige Augenblicke später legte Klausi aus dem Strafraum auf Antonio Dukic zurück, dessen druckvoller Versuch vom Elfmeterpunkt noch entscheidend geblockt wurde. Pettenbach war da, tat sich aber weiterhin schwer.
Auf der anderen Seite zeigte Peuerbach früh, wie schnell es gehen konnte. Nach 13 Minuten versagten die Gastgeber nahezu an allen Stationen und ließen die Gäste aus dem Hausruckviertel gefährlich durch. Fabian Altmanninger konnte gleich zweimal in höchster Not blocken und den Einschlag noch verhindern.
Nur wenige Minuten später war allerdings auch er machtlos.
Adam Böndi hob den Ball sehenswert in Richtung Jan Schrank, der für Gabriel Badegruber ablegte. Dessen Abschluss konnte Tobias Zeitlinger mit einer starken Reaktion noch parieren – der Abpraller landete allerdings genau bei Strahinja Macanovic. Der Peuerbacher Angreifer musste nur noch abstauben und stellte in der 16. Minute auf 0:1.
Der Rückstand passte zu einer Anfangsphase, in der die Gäste wesentlich aggressiver und wacher wirkten. Die SPG Pettenbach/Grünau brauchte einige Zeit, fand danach aber zunehmend besser in die Begegnung.
Bereits in der 28. Minute lag der Ball erstmals im Peuerbacher Tor. David Klausriegler bekam das Leder wunderbar von Elias Steininger zugespielt und schloss ab – dieser war allerdings eine Millisekunde zu früh angestartet.
Mit zunehmender Spielzeit verlagerte sich das Geschehen immer stärker in Richtung des Gästetores. Peuerbach verteidigte kompakt und konsequent, während die Union nach Lösungen suchte, die immer dichter gestaffelte Defensive zu knacken. Was fehlte, war der letzte präzise Pass beziehungsweise die nötige Konsequenz beim Abschluss.
So ging es trotz steigender Pettenbacher Spielanteile mit dem 0:1 in die Kabinen.
Nach dem Seitenwechsel wurde aus dem leichten Übergewicht endgültig so etwas wie Einbahnstraßenfußball. Pettenbach schnürte den Gegner zunehmend ein, während Peuerbach offensiv kaum mehr stattfand.
Ganz ohne Diskussionsstoff ging es allerdings nicht. Kurz nach Wiederbeginn gab es im Peuerbacher Strafraum erstmals Verdacht auf ein Handspiel, wenig später sah Elias Steininger Gelb, ohne übermäßig kritisiert zu haben. Unverständnis und Unmut machten sich über die Entscheidungen von Nachwuchsschiri Felix Rauter breit.
In der 61. Minute wurde es erneut strittig. Klausriegler zog von rechts entlang der Grundlinie in den Strafraum und kam im Zweikampf mit Simon Korntner zu Fall. Der Kontakt war vorhanden, für einen eindeutigen Strafstoß reichte die Szene dem Unparteiischen allerdings nicht. Glücklicherweise ließ sich Pettenbach davon nicht aus dem Konzept bringen und ging seinen eingeschlagenen Weg konsequent weiter.
Nur fünf Minuten später bediente Antonio Dukic seinen Sturmpartner an der rechten Strafraumkante. Klausi zog wuchtig in Richtung langes Eck ab, Peuerbachs Schlussmann Miguel Alexandre Ribeiro Teixeira bekam gerade noch genügend Körper hinter das Leder und lenkte es knapp am rechten Stangerl vorbei.
Der Druck wurde von Minute zu Minute größer – es war Zeit.
In der 71. Minute folgte schließlich die längst überfällige Belohnung. Antonio Dukic wurde unmittelbar vor dem Strafraum gelbwürdig zu Fall gebracht, doch statt auf den Pfiff zu warten, spielte Pettenbach die Situation weiter. Klausriegler erlief sich in einem Gewaltakt den Ball, behauptete ihn trotz der Bedrängnis gleich mehrerer Peuerbacher und fand aus ausgesprochen spitzem Winkel tatsächlich noch die Lücke am kurzen Eck.
1:1 – die ROBEX Arena feierte.
Der Ausgleich änderte nichts am Spielbild. Pettenbach wollte nun den Sieg und drückte weiter. Nur 120 Sekunden später drang Alexander Meister nach Ablage von Dukic über rechts in den Strafraum ein und wurde von Adam Böndi an der Schulter zu Boden gerissen. Wieder blieb Schiedsrichter Rauter stumm und gestikulierte vehement: Gab nichts. Wilhelm Wahlmüller gefiel die Entscheidung deutlich weniger als dem Spielleiter – der Pettenbacher Trainer durfte sich für seinen Protest beim Linienrichter anschließend den Gelben Karton abholen.
Auf die nächste Großchance musste der Pettenbacher Übungsleiter immerhin nicht lange warten.
David Klausriegler nahm den Ball bereits zehn Minuten vor Ultimo an der Mittellinie mit, setzte sich auf der linken Seite im Zweikampf durch und schlug das Leder von der Strafraumhöhe präzise in die Mitte. Dort pflückte Antonio Dukic die Hereingabe sehenswert herunter, sein anschließender Abschluss strich jedoch knapp am rechten Kreuzeck vorbei.
Pettenbach hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt praktisch vollständig in Richtung Peuerbacher Tor verlagert. Am Ende standen 62,2 Prozent Ballbesitz, 15 Abschlüsse und gleich 14 Eckbälle zu Buche. Peuerbach kam auf gerade einmal sechs Versuche – doch genau darin lag an diesem Abend das Problem: Der Gast brauchte nur sehr wenig, um brandgefährlich zu werden.
Und in der 85. Minute sollte genau das noch einmal bitter demonstriert werden.
Mitten in die Pettenbacher Druckphase leitete Felix Wimmer einen der selten gewordenen Peuerbacher Konter ein und schickte Jan Schrank mit einem ausgezeichneten Steilpass auf die Reise. Der war plötzlich völlig frei durch und setzte seinen Abschluss an die Querlatte. Für einen kurzen Moment durfte die ROBEX Arena erleichtert aufatmen – allerdings nur so lange, bis Eldin Sehic herangeflogen kam und den zurückspringenden Ball per Kopf ins verwaiste Gehäuse setzte.
1:2 – völlig gegen den Spielverlauf lag Pettenbach plötzlich wieder hinten.
Doch Aufgeben war an diesem Abend offensichtlich keine Option. Während Peuerbach nun praktisch jeden Ball nur noch möglichst weit aus dem eigenen Strafraum beförderte, warf die Union alles nach vorne.
Die Partie wurde dabei zunehmend hektisch und geriet phasenweise fast außer Kontrolle. Fouls und harte Zweikämpfe häuften sich, Andreas Helmberger musste angeschlagen vom Platz und legte sich nach seiner Auswechslung direkt hinter der Bande nieder – von den letzten Minuten wollte er offenbar nicht mehr allzu viel sehen. Mancher Zuschauer hätte sich wohl gern dazugesellt.
Beinahe hätten sie damit Recht behalten.
Tief in der Nachspielzeit leistete sich Pettenbach einen kapitalen Fehler im eigenen Aufbau. Nach einem schwachen Rückpass von Michael Klinglmayr wollte Tobias Zeitlinger das Leder direkt wieder zurückspielen, traf damit allerdings Christoph Suntinger. Der Peuerbacher war vom unverhofften Geschenk beinahe selbst überrascht – gerade lange genug, damit sich Zeitlinger hinter die Kugel werfen und den Fehler im letzten Moment wieder ausbügeln konnte.
Die Messe schien damit gelesen … war sie aber nicht.
Einmal durfte Pettenbach noch.
Elias Steininger brachte den Ball hoch in den Strafraum, wo Peuerbach die Kugel im entstandenen Tumult nur unzureichend klären konnte. Der zweite Ball fiel vor die Füße des kurz zuvor eingewechselten Ben Zehetner.
Der erwies sich als würdige Vertretung für seinen Teamkollegen Alex Meister und fackelte nicht lange.
Ben zog wuchtig in Richtung des zweiten Pfostens ab. Das Leder rauschte am Peuerbacher Schlussmann Teixeira vorbei – und dort stand genau jener Mann, der an diesem Abend schon zuvor für den Ausgleich gesorgt hatte.
David Klausriegler musste nur noch den Fuß zum erlösenden 2:2-Endstand hinhalten.
- Minute.
Ekstase in der ROBEX Arena.
Praktisch mit dem Treffer war Schluss. Der Redebedarf war mit dem Schlusspfiff jedenfalls noch lange nicht gedeckt. Auf dem Weg in die Katakomben kam es zwischen Trainer Wilhelm Wahlmüller und Assistent Kenan Fetahagic noch zu einer hitzigen Auseinandersetzung, bei der der Linienrichter Wahlmüller körperlich zurückstieß. Pascal Waldl, der schon nach wenigen Spielminuten brennend hoaß war, fand ebenfalls noch einige warme Worte für die Schiedsrichterleistung und sah dafür Rot.
Sportlich blieb ein Remis zurück, bei dem Licht und Schatten dicht beieinander lagen. Unsere Mannschaft hatte nach einer schwachen Anfangsphase immer mehr Kontrolle übernommen und die Union Peuerbach vor allem nach dem Seitenwechsel über weite Strecken in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Dass aus 15 Abschlüssen und 14 Eckbällen am Ende lediglich zwei Treffer entstanden, verhinderte einen durchaus möglichen Heimsieg an diesem Abend.
Auf der anderen Seite musste die Union zweimal einem Rückstand hinterherlaufen – und stand Sekunden vor Schluss sogar unmittelbar vor der ersten Niederlage der laufenden Landesliga-Saison.
Dank Last-Minute-Klausi und einer erneut großartigen Mentalität vor heimischer Kulisse bleibt die SPG Pettenbach/Grünau in der Landesliga West weiterhin ungeschlagen.
Wenn auch mehr als knapp.


